Passend zu Weihnachten gibt es mein Tourtagebuch auf die Mütze!
Gegen langweilige Weihnachtstage, vollgestopfte Bäuche und die kommerzielle Geschenkeflut. (Ich liebe Geschenke!) In diesem Sinne
Tourtagebuch:
Aller Anfang ist schwer. Daher beginnt unser kleines Tagebuch auch nicht am Anfang, sondern am Ende.
27.10.2005 München – Georg Elser Halle
An dieser Stelle muss ich wieder einmal feststellen:
Natürlich ist nichts von all dem wahr! Wir haben natürlich nicht auf Luftmatratzen geschlafen, haben keinen alten VW-Bus gehabt. In Wirklichkeit hatte ich jede Nacht mindestens 3 Frauen, 1 Flasche Whiskey und Heimweh nach meiner Mutter! Kein Hotelzimmer blieb heil, und die Achse des Bösen zerstörte unsere Weltordnung...
26.10.2005 Ludwigsburg – Rockfabrik
Puls, Atemfrequenz und Blutdruck sinken ab. Eine unbeschreibliche
Stille tritt ein. Langsam steuern die Augenlider ihrer Erlösung entgegen. Friedlich versinkt die Welt um einen herum. Ein angenehmes Wärmegefühl ergreift Besitz von mir. Bleibt kurze Zeit – Alles was danach geschieht, versinkt im See des Vergessens. Aber ich lebe! Bin nur kurz eingeschlafen. Nach 14 Tagen Schlafentzug holt sich mein Körper sein Recht zurück. Endlich wieder in meinem Bett übernachtet. Ludwigsburg ist ein Traum! 15 Minuten von meiner Wohnung entfernt. Zu weit zum laufen und zu kurz zum fahren. Aber ich lebe!




25.10.2005 Köln – MTC
Die Verpackung ist die gezielt angebrachte, lösbare Umhüllung eines Produktes. (aus Wikipedia) Leider war das MTC die unlösbare Verpackung des Produktes Haggard.
Somit musste während der musikalischen Darbietung an Inhalt gekürzt werden. Kurzerhand wurden die Pauken aus den Kompositionen gestrichen. (Selbst nachdem die technisch begabten Tourneebegleiter einen komplizierten Stapel- und Besetzungsplan konzipiert hatten.) Für uns stellte die Bühne glücklicherweise kein Problem dar.
20.10.2005 – 24.10.2005
Leider sind uns diese Aufzeichnungen verloren gegangen.
Gezeichnet: die Band Remember Twilight
20.10.2005 Berlin K 17
21.10.2005 Hamburg Markthalle
22.10.2005 Wilhelmshaven Pumpwerk
23.10.2005 Mechelen Theatrium
24.10.2005 Karlsruhe Substage
19.10.2005 Salzgitter - Forellenhof

Weiter ging es mit unserer kleinen kulinarische Reise durch Deutschland. Nächster Boxenstop war Salzgitter. Till Eulenspiegel brachte die "Eulen und Meerkatzen" in die Bäckereien. Wir gastierten im Forellenhof. Sehr schönes Ambiente mit perfekter Außenanlage. Die Küchen- und Kellerleistung war fulminant! (Zumindest für „deutsche“ Verhältnisse) Die Räumlichkeiten waren sehr gepflegt. Auch das Logement (dieses Schlagwort musste ich auch erst in der einschlägigen Fachliteratur nachschlagen) war nicht zu verachten.
Daher gibt es glatte 4,5 von 5 Punkten von mir. Nach dem Abendprogramm, bei dem wir selbst die Bühne erobern durften, wurde noch ein Billardturnier in der Empfangshalle organisiert. Bei kalten Getränken war das Motto:„Haggard gegen Fans!“ Es sollte klar sein, wer gewonnen hat.
18.10.2005 Darmstadt – Goldene Krone
Szenenwechsel. Wir tauschen das Anna gegen das Sebastian. Die Königin ist tot! Es lebe der König! Nur leider hat sich Sebastian in unserem 5-Sterne-Luxus-Bus mit Whirlpool eher wie
ein Bettelkönig gefühlt. Wenigstens war ihm der Luxus gegönnt, einen eigenen Sitzplatz zu besetzen. Für das Augentier Mensch war Darmstadt bisher der absolute Höhepunkt! Die Innenstadt glich einer architektonischen Meisterleistung und die anderen Besucher tummelten sich bestimmt schon im englischen Garten? Leider nein. Allerdings hatte die Goldene Krone ein schnuckeliges kleines Kino zu bieten.


17.10.2005 Nürnberg - Hirsch
Vergewaltigung! Pünktlich zu Mittag versuchte XXX mir auf dem Bett an die Wäsche zu gehen. Wahrscheinlich noch völlig fertig vom Rum, erkannte er mal wieder nicht, dass ich keine Frau bin. Vielleicht war ihm das aber auch in seinem Zustand egal. Nur unter Anwendung von roher Gewalt und einer dicken Lippe konnte ich ihn von seinem Vorhaben abhalten. Daraufhin suchte er die Wohnung nach weiteren Opfern ab. Seine 120 kg fleischgewordene Lust warf er daraufhin auf das nächste Bett, in dem Anne genächtigt hatte. Nur seinem inneren Trieb folgend! Das Bett brach unter dieser Belastung zusammen. Glück im Unglück hatte Anne. Diese war kurz zuvor, einer inneren Uhr folgend, auf die Toilette gerannt. Ende gut, Bett war tot!
Anbei die Reparaturarbeiten: Nicht vom Übeltäter erledigt!




16.10.2005 Glauchau – Alte Spinnerei
Der Backstage-Raum war gesichert durch eine Zahlenkombination. Die moderne Technik hat inzwischen auch Einzug ins Musik-Business gehalten. Das Hauptnahrungsmittel der Ostdeutschen (Wiener Schnitzel, gab es in Salzungen auch) war diesmal sogar genießbar. Danke!
15.10.2005 Bad Salzungen – Kalle Werk
Katzen haben die Eigenschaft, dass sie immer laut schnurren, wenn man sie unter der Kehle krault. Bei Anne ist das ähnlich. Nur muss man seinen Enthusiasmus ein bisschen weiter oben austoben.

Ich habe selten eine Frau so angenehm schnurren gehört. Aber glücklicherweise gehört es nicht zu meinen Aufgaben, dies weiter zu analysieren. Inzwischen versucht Jörg sein Glück beim anderen Geschlecht: „Mit Dir würde ich alles tun Chérie“. Gelangweilt greife ich mir die nächste Stroopwafel.
14.10.2005 Zaandam – De Kade

Ich warte immer noch auf eine göttliche Eingebung.
Diese lässt aber leider auf sich warten. Versuch, ein bisschen zu schlafen, vielleicht kommt sie ja noch. Holland ist ein schönes Land. Viele Windmühlen und ideenreiche Tempobeschränkungen. Aber das muss so sein. Liebevoll werde ich schließlich mit einem gezielten Tritt geweckt. Schuhgröße 40, Leichtmetall. Danke, die Erde hat mich wieder. Nicht ganz so freundlich nimmt der Tag seinen Lauf.
13.10.2005 Essen - Zeche Karl
Wir starteten die ultimative Umfrage in den Reihen der noch
Geistesgegenwärtigen. Klärungsbedarf lag in diesem Falle vor allem im Sinn und Zweck eines Tagebuchs: Felix (Gitarre) präferiert dabei die schönen kleinen Wendy-Pferde-Bildchen, die er in seinen Kindestagen immer gesammelt hatte. Anne O-Ton: Ich hab doch keine Ahnung. Erneute Nachfrage erbrachte auch nicht die erhoffte Klärung. Hilfsbereiter ist hierbei Anna: Sie führt uns ein gutes Stück tiefer in die Materie ein. (Erinnerung!)
Das erste, an das ich mich erinnern kann, war ein schöner Sonnenaufgang im Osten. Es war ein guter Tag. Dies sollte sich aber schlagartig ändern. Zu diesem Zeitpunkt war die Welt noch in Ordnung. 2 km später und ungefähr 9 Uhr Ortszeit hatte sich unser Tourbus aus
dem irdischen Leben verabschiedet. Ein wandelndes Warndreieck bewegte sich in Richtung Norden, um die Stelle des Geschehens abzusichern. Die gelben Engel wurden verständigt und wieder vergrault. Mit dem letzten Funken Lebenswillen hatte uns unser Bus noch zur Werkstatt gebracht. Ein Mechaniker sprach die letzte Absolution. Tränen weinten wir. In dieser schweren Stunde zwischen Angst, Trauer und betäubender Ohnmacht konnten wir nicht verharren. Ein Stern zeigte uns den Weg. Es war die Zeit für einen neuen Gefährten.
Essen – 21.15 Uhr. Direkt aus dem Bus auf die Stage. Kurzes, dem Tag angemessenes Set gespielt und wieder ab in den Bus.


Zum Schluß gibt es noch die mitwirkende Personen:
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Band:
Florian Laws - Oboe
Felix Häfner - Gitarre

Jörg Orendi - Bass
Timo Nußbaum - Gesang, Gitarre
Sebastian Völker - Violine
Anne Frisch - Violine
Oliver Fahnick - Schlagzeug
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Crew:
Alexander Fischer - Tontechniker
Anna Sayler - Violine (Essen bis Glauchau)