Ich schätze ja die österreichische Blackmetal-Combo Dornenreich (aufmerksame Tourbesucher werden es mitbekommen haben), insbesondere deren Album "Her von welken Nächten", aber auch das großartige "Reime faucht der Märchensarg".
So war ich natürlich gespannt, als im November endlich nach vier Jahren und viel hin und her um Seitenprojekt oder nicht das nächste Album "Hexenwind" erscheinen sollte. Gespannter noch nach Ankündigungen, dass das neue Album eine "mystische Vertiefung" (PR-Text Dornenreich) eben meiner Lieblingssongs der Band werden sollte. Zugleich war ich aber auch skeptisch angesichts von Aussagen wie "War 'Her Von Welken Nächten' stürmerisch, drängend, ewig jung - so ist 'Hexenwind' in gleichem Maße reif, weise und in sich ruhend.", denn gerade die schnellen Songs wie z.B. "Ich bin aus mir" waren für mich die Glanzstücke von "Her Von Welchen Nächten".
Nun also "Hexenwind", das neue Album: Nach dem kurzen atmosphärischen Intro "Von der Quelle" ist gleich der zweite Track "Der Hexe flammend' Blick" eine Überraschung. Mit einem solchen Gitarrensound hätte man bei einer Blackmetalband nicht erwartet. Aber "Hexenwind" ist auch sicher kein Blackmetal mehr, sondern... ja, was eigentlich? Ich erlaube mir mal, auch wenn ich mich in diesem Genre sicher nicht sonderlich gut auskenne, das Album in die Schublade mit der Aufschrift "Neofolk" zu stecken.
Die Gitarrenarbeit konzentriert sich auf akustische Gitarren, Evigas Stimme ist zwar immer noch unverkennbar, verlegt sich eher aufs Flüstern denn auf das verstörende Kreischen, das frühere Alben kennzeichnete, Songs sind sehr ruhig gehalten. Vergleichbar mit früheren Dornenreich-Werken ist vielleicht noch am ehesten "Federstrich in Grabesnähe" - wenn da nicht der gewaltige Schwachpunkt des neuen Albums wäre - die drei überlangen (jeweils über 11 Minuten) Songs sind leider auch noch extrem eintönig. Die musikalischen Entwicklungen in den Songs muss man schon sehr aufmerksam suchen, bevor man sie in subtilen Variationen des jeweiligen Haupt-Riffs findet. Sicher, es gibt ein paar nette Stellen, wie das einprägsame Gitarrenriff in "Der Hexe flammend' Blick" und Valnes' Gesangseinsätze in "Der Hexe nächtlich' Ritt" (die Gleichförmigkeit der Songtitel kann fast als Beschreibung für die Musik herhalten), aber ingesamt plätschern die Songs einförmung und unspektakulär, ich bin fast versucht zu sagen: langweilig.
Vielleicht findet das Album Gefallen bei denen, die Evigas mystischen Texten folgen können. Für mich, der ich auf eine Nachfolger des wuchtigen und komplexen "Her Von Welken Nächten" gehofft hatte, ist das neue Album aber eine Enttäuschung, und so kann ich jedem Fan der früheren Dornenreich-Alben nur dringend empfehlen, sich "Hexenwind"
unbedingt
vor dem Kauf probezuhören.