Die Tour mit ihrem feuchtwarmen Bühnenklima hat nun auch ein Opfer an meiner Oboe gefordert, eine der vielen Klappen an diesem Instrument hatte sich festgerostet und ging nicht mehr auf. Und das ausgerechnet heute, als ich ein Konzert mit dem Orchester zu spielen hatte. Da war ein Besuch beim Instrumentenbauer fällig, der gebotenen Eile wegen beim
Holzblasinstrumentenbau Josef Distler in der Tübinger Straße.
Der schraubte erstmal die komplette restliche Mechanik ab, und versuchte dann die betroffenen Achsen mit viel Öl und Hitze wieder gangbar zu bekommen. Bei einer der beiden Achsen gelang das auch, doch die andere blieb hartnäckig, da war auf diesem Wege nichts zu machen. Normalerweise hätte der Instrumentenbauer es nun mit speziellem Kriechöl geduldig über Tage hinweg versucht, und damit sicher auch Erfolg gehabt, doch es drängte die Zeit und nahte der Konzerttermin, so dass härtere Maßnahmen ergriffen werden mussten - die Metallsäge!
Die rostige Achse musste nun dran glauben. Ich wundere mich noch immer, wie es Herrn Distler gelungen ist, diese durchzusägen ohne die daran aufgehängten Teile in Mitleidenschaft zu ziehen. Die aber waren damit wieder frei, nur eine neue Achse musste Herr Distler noch herstellen, und die Klappe mit einem neuen Polster versehen (innen in den Klappen sind Kork- oder Lederpolster, damit sie dicht sind). Dann die restliche Mechanik wieder drauf, mit viel Öl, damit sowas nicht wieder passiert, und ich hatte meine Oboe wieder spielbereit in den Händen.
In gerade mal anderthalb Stunden (und dazu noch zu einem sehr fairen Preis) war die Operation geglückt, gerade rechtzeitig für die Anspielprobe vor dem Konzert - der Abend war gerettet!
Und ich bin wieder einmal voller Ehrfurcht und Begeisterung vor den Meistern der Instrumentenbaus. Allerdings gelobe ich, meinen Instrumentenbauern solche drastischen Reparaturen in Zukunft zu ersparen, und mein Instrument besser zu pflegen.